Hallo Ramon,
die Suche nach einer „guten“ Therapie ist bei Brustkrebs leider immer ein Abwägen zwischen Nebenwirkungen einer Therapie einerseits und der Verringerung des Risikos eines Fortschreitens der Erkrankung andererseits.
Wenn es im noch nicht metastasierten (adjuvanten) Zustand kein erhöhtes Risiko für einen Rückfall gibt, so besteht die übliche Therapie nach der Operation bei Männern aus Tamoxifen.
Bei Frauen nach den Wechseljahren wirken Aromatasehemmer (Letrozol ist so ein Medikament) etwas besser. Aber bei Männern wird die alleinige Gabe von Aromatasehemmern nicht empfohlen, da hier die Unterdrückung der Östrogene nicht ausreicht.
Erst durch die Zugabe von GnRH- Analoga ( Enantone ist so ein Medikament) wird eine genügende Unterdrückung der Sexualhormone erreicht. Diese Therapie wird aber nur bedingt empfohlen, weil die Nebenwirkungen durchaus beeinträchtigend sind. Hierzu gibt es eine Studie, die „Male Studie“ der „German Breast Group“ (eine der ganz wenigen randomisierten Studien zum Brustkrebs bei Männern), die u.a. zu folgenden Ergebnissen kam:
"Die Hinzunahme von GnRH zu Tamoxifen oder AI führt zu einer deutlichen Einschränkung des körperlichen, psychischen und sexuellen Wohlbefinden der Patienten."
Das überrascht aber auch nicht. Immerhin werden die Sexualhormone, auch die männlichen, sehr stark unterdrückt - was banal ausgedrückt eine medikamentöse Kastration bedeutet.
Ich selbst habe diese Behandlung nach 2 Jahren abgebrochen. Nach Beendigung der Behandlung regelt sich übrigens alles wieder ein.
Wenn Du weitere Erfahrungen über die Nebenwirkungen von GnRH Analoga einholen möchtest, gehe einfach mal in Prostatakrebs-Foren. Diese werden in bestimmten Fällen auch bei Prostatakrebs verordnet.
Bei dir wird zu den Antihormonen eine zusätzliche Gabe von CDK4/6 inhibitoren vorgeschlagen, was darauf hindeutet, dass man ein erhöhtes Rückfallrisiko sieht.
Antiöstrogenmedikamente sind:
Tamoxifen
Aromatasehemmer (ggf in Kombination mit GnRH Analoga)
GnrH Analoga (ggf in Kombination mit GnRH Aromatasehemmer)
Fulvestrant
CDK 4/6 Inhibitoren sind:
Palbociclib
Ribociclib
Abemaciclib
Theoretisch könnte man jede Antiöstrogenbehandlung mit einem beliebigen CDK 4/6 Inhibitor kombinieren.
Aber nicht alle Kombinationen sind für die adjuvante Behandlung (das trifft bei Dir zu) zugelassen bzw. werden von den Krankenkassen bezahlt. Es gibt auch Kombinationen, die für Frauen zugelassen sind, aber in Studien waren eben nicht genügend Männer eingeschlossen.
Du solltest vielleicht mal bei Deinem Arzt nachfragen, ob es nicht eine Kombination gibt, die dir die starken Nebenwirkungen der GnRH- Analoga ersparen könnte (z.B. mit Tamoxifen oder Fulvestrant).
Entschuldigung für die langen Ausführungen
Viele Grüße
Peter