Suche nach der "guten" Therapie

  • Hallo Zusammen,

    ich bin Ramon, 66 und brust-aputiert.

    Für mich ging alles ganz schnell, ich habe einen kleinen Knebel neben der Brustwarze gespürt. Mein Hausarzt ist eine Frau Dr. , die hat sich den Knebel angesehen und gleich gesagt, das ist eine Nummer zu groß für mich. Mit Dringlichkeit hat Sie mich zur Mammographie geschickt, dort gab es keinen eindeutigen Befund, sondern gleich eine Biopsie. 3 Wochen später lag ich nach einem Marathon an Untersuchungen auf dem Operationstisch.

    Glück im Unglück, ich habe eine Metastasen im Körper, allerdings war der Wächterknoten "befallen" aber 4 weiter nicht.

    Jetzt geht es eben um die für mich akzeptable Therapie. Vorgeschlagen sind Letrozol+Enantane, ein CDK4/6 Präparat und Bestrahlung.

    Die Therapie in dieser Form ist nach Aussage der Ärzte wegen des befallenen Lymphknotens so gewählt.

    Hier im Forum habe ich bis dato noch kein Beitrag gelesen, in dem diese Therapie schon Mal durchlebt wurde. Es gibt Abbrechen, die zu Tamoxifen gewechselt sind oder solche, die von Anfang mit Tamoxifen gestartet sind.

    Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn jemand mit einer solchen Kombination Erfahrung hat und sie weitergibt.

    Grüße aus dem sonnigen Osten

    Ramon

  • Hallo Ramon,

    die Suche nach einer „guten“ Therapie ist bei Brustkrebs leider immer ein Abwägen zwischen Nebenwirkungen einer Therapie einerseits und der Verringerung des Risikos eines Fortschreitens der Erkrankung andererseits.

    Wenn es im noch nicht metastasierten (adjuvanten) Zustand kein erhöhtes Risiko für einen Rückfall gibt, so besteht die übliche Therapie nach der Operation bei Männern aus Tamoxifen.
    Bei Frauen nach den Wechseljahren wirken Aromatasehemmer (Letrozol ist so ein Medikament) etwas besser. Aber bei Männern wird die alleinige Gabe von Aromatasehemmern nicht empfohlen, da hier die Unterdrückung der Östrogene nicht ausreicht.
    Erst durch die Zugabe von GnRH- Analoga ( Enantone ist so ein Medikament) wird eine genügende Unterdrückung der Sexualhormone erreicht. Diese Therapie wird aber nur bedingt empfohlen, weil die Nebenwirkungen durchaus beeinträchtigend sind. Hierzu gibt es eine Studie, die „Male Studie“ der „German Breast Group“ (eine der ganz wenigen randomisierten Studien zum Brustkrebs bei Männern), die u.a. zu folgenden Ergebnissen kam:

    "Die Hinzunahme von GnRH zu Tamoxifen oder AI führt zu einer deutlichen Einschränkung des körperlichen, psychischen und sexuellen Wohlbefinden der Patienten."

    Das überrascht aber auch nicht. Immerhin werden die Sexualhormone, auch die männlichen, sehr stark unterdrückt - was banal ausgedrückt eine medikamentöse Kastration bedeutet.

    Ich selbst habe diese Behandlung nach 2 Jahren abgebrochen. Nach Beendigung der Behandlung regelt sich übrigens alles wieder ein.
    Wenn Du weitere Erfahrungen über die Nebenwirkungen von GnRH Analoga einholen möchtest, gehe einfach mal in Prostatakrebs-Foren. Diese werden in bestimmten Fällen auch bei Prostatakrebs verordnet.

    Bei dir wird zu den Antihormonen eine zusätzliche Gabe von CDK4/6 inhibitoren vorgeschlagen, was darauf hindeutet, dass man ein erhöhtes Rückfallrisiko sieht.

    Antiöstrogenmedikamente sind:
    Tamoxifen

    Aromatasehemmer (ggf in Kombination mit GnRH Analoga)

    GnrH Analoga (ggf in Kombination mit GnRH Aromatasehemmer)

    Fulvestrant

    CDK 4/6 Inhibitoren sind:

    Palbociclib

    Ribociclib

    Abemaciclib

    Theoretisch könnte man jede Antiöstrogenbehandlung mit einem beliebigen CDK 4/6 Inhibitor kombinieren.

    Aber nicht alle Kombinationen sind für die adjuvante Behandlung (das trifft bei Dir zu) zugelassen bzw. werden von den Krankenkassen bezahlt. Es gibt auch Kombinationen, die für Frauen zugelassen sind, aber in Studien waren eben nicht genügend Männer eingeschlossen.

    Du solltest vielleicht mal bei Deinem Arzt nachfragen, ob es nicht eine Kombination gibt, die dir die starken Nebenwirkungen der GnRH- Analoga ersparen könnte (z.B. mit Tamoxifen oder Fulvestrant).

    Entschuldigung für die langen Ausführungen

    Viele Grüße

    Peter

  • Hallo Ramon,

    ich hatte bei genetisch bedingtem Brustkrebs 2011 das Vergnügen, 5 Jahre Tamoxifen und dazu die ersten 3 Jahre die von Peter angeführten GnRH Analoga zu nehmen. Die Nebenwirkungen waren völliger Libidoverlust und Schwitzanfälle mehrmals pro Tag und in der Nacht, dass ich gescherzt habe, ich könnte als Rasensprenger arbeiten, wenn ich mich schüttle.

    Nach den drei Jahren waren die Symptome mit nur Tamoxifen ähnlich, aber deutlich geringer, das war schon eine Erleichterung. Aber auch die 5 Jahre sind vorbei gegangen.

    In dieser Zeit habe ich tantrische Seminare besucht, habe Empfindungen ohne "geile" Gefühle und ohne Erektion kennengelernt ... und meine jetztige Frau, mit der ich nun seit 10 Jahren zusammen und seit 2019 glücklich verheiratet bin.

    Ich schreibe Dir das alles nur, um Dir Mut zu machen, egal für welche Behandlung Du Dich entscheiden wirst.

    Alles Gute und halte zumindest die Ohren steif! ;)

    Robert

  • Hallo Ramon,

    ich nehme jetzt seit der OP März 2023 nur Tamoxifen (20 mg). Allerdings habe ich keinen erblichen Brustkrebs, die Wächterlymphknoten waren auch nicht befallen und keine Metastasen nachweisbar. Der Oncotype- DX- Test ergab auch nur ein geringes Rückfallrisiko. Großartige Nebenwirkungen von dem Tamoxifen spüre ich bisher noch nicht, sind aber ja gerade erst etwas mehr als 2 Jahre um. Kann also noch kommen..... Libidoverlust ist vorhanden, aber sie ist nicht total weg. Erektionsstörungen liegen auch keine vor, mit Schweißausbrüchen habe ich auch nicht zu kämpfen. Die Nebenwirkungen von Tamoxifen scheinen also individuell sehr unterschiedlich auszufallen.

    Liebe Grüße

    Bernd

  • Vielen dank für euer Ausführungen.

    Den Ausführungen von Peter kann ich gut folgen. Ich habe für mich entschieden, keinen GnrH-Analoga einzunehmen. Zu einer Therapie mit CDK4/6 (Abemaciclib) mit Tamoxifen zusammen habe ich eine Studie gefunden, die positive Ergebnisse zeigt. Meine Ärztin hat die Betreuung einer Therapie in der Form lapidar abgelehnt und angeboten eine Monotherapie Tamoxifen oder CDK4/6 in Verbindung zu einem Aromatasehemmer ohne GnrH Analoge (Ribociclib+Letrozol) würde sie betreuen.

    Ja, das Thema Brustkrebs beim Mann ist noch für viel Überraschungen gut.

    Grüße

    Ramon